Vielleicht musst du es deinem Kind nicht noch einmal erklären


Vielleicht musst du es deinem Kind nicht noch einmal erklären

Kurz gesagt: Eine neue Studie zeigt, dass Kinder beim Lernen ihre Aufmerksamkeit unterschiedlich verteilen – je nachdem, ob ihnen ein Erwachsener oder ein anderes Kind etwas vermittelt. Das heißt nicht, dass Kinder besser von Kindern lernen. Aber es ist ein schöner Hinweis darauf, dass wir Erwachsenen vielleicht nicht immer noch einmal erklären müssen. Manchmal hilft ein anderer Weg.

Manchmal erklärt man seinem Kind etwas. Dann noch einmal. Vielleicht mit einem anderen Beispiel.

Und dann kommt ein anderes Kind, sagt zwei Sätze – und plötzlich scheint irgendetwas anders zu sein.

Eine neue Studie hat untersucht, ob es für Kinder tatsächlich einen Unterschied macht, wer ihnen etwas vermittelt. Und dabei etwas Spannendes entdeckt.

Lernen Kinder anders von Erwachsenen als von anderen Kindern?

Für die Studie lernten 62 Kinder zwischen knapp 7 und knapp 12 Jahren unbekannte Begriffe. Vorgestellt wurden diese entweder von einem Erwachsenen oder von einem anderen Kind. Ein Eye-Tracker zeichnete dabei auf, wohin die Kinder schauten. Anschließend wurde getestet, woran sie sich erinnerten.

Das Ergebnis: Beim Erwachsenen hing eine bessere Erinnerung damit zusammen, dass die Kinder stärker auf die erklärende Person schauten. Beim anderen Kind war es anders: Hier erinnerte besser, wer seine Aufmerksamkeit stärker auf den Gegenstand selbst richtete.

Gleiche Lernaufgabe – aber offenbar eine andere Aufmerksamkeitsstrategie.

Die Forschenden vermuten, dass Kinder Erwachsene eher als Wissensquelle wahrnehmen: Da ist jemand, der etwas weiß und mir etwas zeigt. Bei einem anderen Kind könnte dagegen die Sache selbst stärker in den Mittelpunkt rücken.

Interessant war außerdem: Mit zunehmendem Alter wurden auch die anderen Kinder als Informationsquelle wichtiger.

Lernen Kinder also besser von anderen Kindern?

Nein. Und genau das macht die Studie interessant.

Insgesamt erinnerten sich die Kinder sogar besser an die Begriffe, die von Erwachsenen vorgestellt worden waren.

Die Studie sagt also nicht: Kinder erklären besser als Erwachsene.

Sie deutet vielmehr darauf hin, dass Kinder abhängig von der Situation unterschiedliche Wege beim Lernen nutzen können.

Und das finden wir ziemlich spannend.

Was bedeutet das für uns als Eltern?

Zunächst einmal: keine Hausaufgaben-Revolution.

Die Kinder lernten in der Studie erfundene Begriffe für Formen. Sie sahen aufgezeichnete Videos und wurden anschließend auf ihre kurzfristige Erinnerung getestet. Die Studie war relativ klein und lässt sich nicht einfach auf Mathehausaufgaben, Vokabellernen oder den Familienalltag übertragen.

Aber sie wirft eine schöne Frage auf:

Müssen wir Erwachsenen eigentlich immer die Erklärenden sein?

Wenn unser Kind etwas nicht versteht, ist unser Reflex oft: noch einmal erklären. Dabei könnten wir auch einmal ausprobieren, die Rollen zu verändern.

Zum Beispiel:

„Erklär du mir mal, wie du das verstanden hast.“

Oder:

„Wie würde ein anderes Kind das wahrscheinlich erklären?“

Und wenn Geschwister oder Freund:innen dabei sind:

„Zeigst du mal, wie du darauf gekommen bist – ohne die Lösung zu verraten?“

Nicht als neue Lernmethode. Sondern einfach als kleines Experiment.

Kindern Raum geben, ihren eigenen Weg zu finden

Dieser Gedanke gefällt uns bei wobie besonders gut.

Wir Erwachsenen betrachten die Welt schließlich mit ziemlich viel Erfahrung im Gepäck. Kinder nicht. Sie entdecken Zusammenhänge, entwickeln eigene Strategien und finden manchmal Wege, auf die wir selbst gar nicht gekommen wären.

Genau diese Selbstständigkeit möchten wir auch mit der wobie box ermöglichen: Kinder können ihre Musik, Hörspiele, Hörbücher und Podcasts selbst auswählen und abspielen – ohne dafür jedes Mal einen Erwachsenen oder einen Bildschirm zu brauchen.

Die Studie untersucht weder Audiohören noch die wobie box. Aber sie erinnert uns an etwas, das wir im Alltag leicht vergessen:

Kinder müssen nicht auf demselben Weg zu einer Erkenntnis kommen wie wir.

Vielleicht lautet die Frage deshalb manchmal nicht:

„Wie kann ich es noch einmal erklären?“

Sondern:

„Was passiert, wenn ich mein Kind seinen eigenen Weg finden lasse?“


Zur Studie: Different Attentional and Memory Processes When Learning From a Peer or an Adult in Children von Marion Décaillet und Kolleg:innen, veröffentlicht am 6. September 2026 im Fachjournal Infant and Child Development. Die Studie ist Open Access.

Originalstudie bei Wiley lesen