Warum ist vor den Ferien plötzlich die Luft raus?
Kurz gesagt: Dein Kind ist vor den Ferien plötzlich müder, gereizter oder wegen Kleinigkeiten völlig fertig? Ein wissenschaftlich belegtes „Vorferien-Tief“ gibt es zwar nicht. Wir wissen aber, dass Belastung Aufmerksamkeit und Selbstregulation beeinflussen kann. Und oft sind nicht nur unsere Kinder voll – unser ganzer Familienalltag ist es. Deshalb unser Impuls für diese Tage: weniger müssen, einmal gemeinsam durchpusten und dann weitermachen.
Wenn du gerade selbst keine Zeit zum Lesen hast
1. Erkennen: Ist dein Kind gerade deutlich anders als sonst?
2. Weglassen: Was muss heute wirklich nicht mehr sein?
3. Durchpusten: Zwei Minuten gemeinsam raus aus dem Trubel – unten wartet unser kleines Pustespiel auf euch.
Noch ein paar Tage bis zu den Ferien. Eigentlich müsste die Vorfreude steigen.
Stattdessen wird morgens schon das Anziehen zur Diskussion. Nach Kita oder Schule reicht eine Kleinigkeit für Tränen. Dinge, die sonst funktionieren, funktionieren plötzlich erstaunlich schlecht.
Und irgendwann fragt man sich:
Warum ist mein Kind ausgerechnet jetzt so fertig?
Warum ist mein Kind vor den Ferien so erschöpft?
Ein allgemeines wissenschaftlich belegtes „Vorferien-Tief“ gibt es nicht. Wenn über Wochen viele Anforderungen zusammenkommen, können Müdigkeit, Gereiztheit oder Konzentrationsprobleme aber Hinweise auf Belastung sein.
Kita und Schule verlangen Kindern jeden Tag einiges ab: soziale Situationen, Konzentration, Regeln, Übergänge, Lautstärke und viele kleine Anforderungen.
Forschung zeigt, dass Stress beeinflussen kann, wie gut Kinder ihre Aufmerksamkeit und ihr Verhalten steuern. Dabei reagieren Kinder sehr unterschiedlich.
Deshalb ist vielleicht weniger die Frage interessant, ob es das Vorferien-Tief gibt.
Sondern:
Was ist in den vergangenen Wochen eigentlich alles zusammengekommen?
Woran erkenne ich Stress bei meinem Kind?
Achte weniger auf einen einzelnen schlechten Tag als auf Veränderungen, die häufiger auftreten. Dazu können ungewöhnliche Gereiztheit, Rückzug, Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten oder wiederkehrendes Bauch- und Kopfweh gehören.
Manchmal sind die Zeichen allerdings viel unspektakulärer.
Dein Kind möchte plötzlich mehr Nähe oder mehr Ruhe. Dinge dauern länger. Es ist schneller frustriert.
Oder die falsche Müslischale entwickelt plötzlich eine Bedeutung, die man ihr vorher wirklich nicht zugetraut hätte.
Ein schlechter Nachmittag bedeutet noch nicht, dass dein Kind gestresst ist. Interessant wird es, wenn du merkst:
Irgendetwas ist gerade anders als sonst.
Wenn dein Kind über längere Zeit stark belastet wirkt oder wiederkehrende körperliche Beschwerden hat, sollte man natürlich genauer hinschauen und gegebenenfalls fachlichen Rat einholen.
Und dann knacken wir den Familien-Stress-Jackpot
Bei all dem sollten wir jemanden nicht vergessen:
uns Eltern.
Denn das Kita-Fest findet erstaunlicherweise selten in einer Woche statt, in der sonst überhaupt nichts los ist.
Da ist noch der Elternabend. Ein Projekt bei der Arbeit. Ein Kindergeburtstag. Halloween. Laternenfest. Weihnachten. Ein Geschenk fehlt. Die Wäsche wartet. Und irgendjemand braucht morgen unbedingt noch etwas, von dem wir bis 19:43 Uhr nichts wussten.
Herzlichen Glückwunsch. Familien-Stress-Jackpot geknackt.
Wenn unsere eigene Geduld inzwischen auf Reserve fährt, muss vielleicht nicht ausschließlich unser Kind „runterkommen“.
Vielleicht sind wir einfach alle ein bisschen durch.
Und dann ist die entscheidende Frage vielleicht gar nicht:
Warum ist mein Kind gerade so gestresst?
Sondern:
Sind wir vielleicht gerade alle ein bisschen durch?
Was hilft, wenn meinem Kind gerade alles zu viel ist?
Oft muss nicht noch etwas dazukommen. Ein guter erster Versuch kann sein, Termine zu reduzieren, freie Zeit zu lassen und auf ausreichend Schlaf und Erholung zu achten.
Unser Vorschlag für heute ist deshalb ziemlich unspektakulär:
Eine Sache weniger.
Nicht noch schnell eine neue Entspannungsroutine etablieren. Nicht versuchen, aus dem Nachmittag doch noch Quality Time zu machen.
Welche Sache könnte heute einfach wegfallen?
Die Verabredung? Der Einkauf? Das perfekte Abendessen? Noch schnell etwas erledigen?
Vielleicht gibt es Nudeln mit irgendwas. Vielleicht wird früher der Schlafanzug angezogen. Vielleicht läuft ein Hörspiel und jeder macht eine Weile sein Ding.
Eine Pause muss nicht pädagogisch wertvoll sein. Und ein entspannter Familiennachmittag muss nicht nach Pinterest aussehen.
Manchmal ist weniger tatsächlich genug.
Und jetzt: einmal durchpusten
Weil „Atme doch mal tief durch“ ungefähr zu den Sätzen gehört, die man in einem stressigen Moment am wenigsten hören möchte, machen wir lieber ein Spiel daraus.
Wir haben ein kleines Pustespiel für Kinder und Eltern gemacht.
Ihr braucht nur einen Strohhalm und einen Wattebausch. Legt den Wattebausch auf den Start und pustet ihn gemeinsam über die Strecke bis ins Ziel.
Keine Punkte. Kein Gewinner. Kein „Wer schafft es am schnellsten?“.
Einfach einmal zusammen durchpusten.
→ Pustespiel „Einmal durchpusten“ kostenlos herunterladen
Und danach?
Müsst ihr natürlich vollkommen ausgeglichen und tiefenentspannt in den restlichen Tag starten.
Oder auch nicht.
Vielleicht vergessen wir morgen die Snacks. Vielleicht kommen Wut, Tränen und „ICH WILL ABER NICHT!“ trotzdem.
Wir müssen nicht jeden stressigen Moment verhindern. Manchmal reicht es, gemeinsam durchzukommen.
Durchhalten. Bald sind Ferien. ❤️